Networking Lab
Praktische Übungen zu Netzwerktechnik und -administration
Networking Lab
Praktische Übungen sind der beste Weg, Netzwerktechnik zu lernen. Diese Seite bietet eine Sammlung von Übungen – von einfachen IP-Adressen bis zu fortgeschrittenen Themen wie Routing, VLANs und Firewalls. Ideal für Einsteiger und angehende Netzwerk-Administratoren, die praktische Erfahrung sammeln möchten.
1. Lab-Umgebung einrichten
Für Netzwerk-Übungen brauchen Sie eine geeignete Umgebung. Hier sind die besten Optionen:
Option A: GNS3 (Graphical Network Simulator)
GNS3 ist der professionelle Netzwerk-Simulator mit echten Router-Images.
- Laden Sie GNS3 von gns3.com herunter und installieren Sie es.
- Laden Sie Cisco IOS-Images (für Laborzwecke).
- Erstellen Sie eine einfache Topologie mit 2 Routern.
Option B: Packet Tracer (Cisco)
Packet Tracer von Cisco ist ideal für Einsteiger (kostenlos für Cisco Networking Academy).
- Registrieren Sie sich bei der Cisco Networking Academy.
- Laden Sie Packet Tracer herunter (kostenlos).
- Erstellen Sie eine Topologie mit Routern, Switches und PCs.
Option C: Virtuelle Maschinen
Mit VirtualBox/VMware können Sie mehrere Linux-VMs als Router konfigurieren.
- Erstellen Sie 3 Ubuntu-Server-VMs.
- Konfigurieren Sie mehrere Netzwerkadapter (Host-Only, Internal).
- Aktivieren Sie IP-Forwarding und konfigurieren Sie statisches Routing.
2. Grundlagen (Level 1) – Netzwerk-Befehle
Diese Übungen helfen Ihnen, die grundlegenden Netzwerk-Befehle auf Ihrem eigenen Rechner kennenzulernen.
- Öffnen Sie ein Terminal (Linux/macOS) oder die Eingabeaufforderung (Windows).
- Zeigen Sie Ihre IP-Konfiguration an:
- Windows:
ipconfig - Linux/macOS:
ifconfigoderip addr show
- Windows:
- Notieren Sie sich Ihre IP-Adresse, Subnetzmaske und das Standard-Gateway.
- Zeigen Sie die Routing-Tabelle an:
- Windows:
route print - Linux/macOS:
ip route showodernetstat -rn
- Windows:
ipconfig /all
route print
# Linux/macOS
ip addr show
ip route show
# Alternative
ifconfig
netstat -rn
- Testen Sie die Erreichbarkeit von google.de:
ping google.de. - Lassen Sie den Ping 10 Mal laufen:
ping -n 10 google.de(Windows) oderping -c 10 google.de(Linux). - Verfolgen Sie den Weg zu google.de:
tracert google.de(Windows) odertraceroute google.de(Linux). - Testen Sie einen bestimmten Port mit telnet (falls installiert):
telnet google.de 80.
ping google.de
ping -c 4 google.de # Linux: 4 Pakete
ping -n 4 google.de # Windows: 4 Pakete
# Traceroute
traceroute google.de # Linux
tracert google.de # Windows
# Port testen
telnet google.de 80
- Finden Sie die IP-Adresse von google.de heraus:
nslookup google.de. - Finden Sie die IP-Adresse mit dig (Linux/macOS):
dig google.de. - Finden Sie den Mailserver (MX) von google.de:
nslookup -type=MX google.de. - Führen Sie eine Reverse-DNS-Abfrage durch:
nslookup 8.8.8.8.
nslookup google.de
nslookup -type=MX google.de
nslookup 8.8.8.8
# dig (Linux/macOS)
dig google.de
dig MX google.de
dig -x 8.8.8.8
3. IP-Adressierung (Level 1)
Grundlegende Übungen zu IP-Adressen und Subnetzmasken.
Gegeben ist die IP-Adresse 192.168.123.45 mit Subnetzmaske 255.255.255.0.
- Bestimmen Sie die Netzwerkadresse.
- Bestimmen Sie die Broadcast-Adresse.
- Wie viele nutzbare Host-Adressen gibt es?
- Welche Klasse hat diese IP-Adresse (A, B oder C)?
192.168.123.0 (Die ersten 24 Bits sind Netzanteil)
# 2. Broadcast-Adresse
192.168.123.255 (Alle Host-Bits auf 1)
# 3. Nutzbare Hosts
2⁸ - 2 = 254 Hosts
# 4. Klasse
Klasse C (192-223 im ersten Oktett)
- Wandeln Sie die Subnetzmaske 255.255.255.128 in CIDR-Notation um.
- Wandeln Sie /26 in eine Subnetzmaske um.
- Wie viele Hosts hat ein /28-Netz?
- Welche Netzwerkadresse hat 10.47.123.20/20?
(11111111.11111111.11111111.10000000 = 25 Einsen)
# 2. /26 → 255.255.255.192
(11111111.11111111.11111111.11000000)
# 3. /28 = 2⁴ - 2 = 14 Hosts
# 4. 10.47.123.20/20
/20 = 255.255.240.0
123 & 240 = 112
Netzwerkadresse: 10.47.112.0/20
4. Subnetting (Level 2)
Ein Netzwerk in kleinere Subnetze aufteilen – eine Kernkompetenz für Netzwerk-Administratoren.
Sie haben das Netz 192.168.1.0/24 und müssen es in 4 gleich große Subnetze aufteilen.
- Wie viele Bits müssen Sie vom Hostanteil "ausleihen"?
- Wie lautet die neue Subnetzmaske in CIDR-Notation?
- Wie viele Hosts hat jedes Subnetz?
- Listen Sie alle 4 Subnetze mit Netzwerkadresse und Broadcast auf.
2² = 4 → 2 Bits ausleihen
# 2. Neue Subnetzmaske
/24 + 2 = /26 = 255.255.255.192
# 3. Hosts pro Subnetz
2⁶ - 2 = 62 Hosts
# 4. Subnetze
1: 192.168.1.0 - 192.168.1.63 (Broadcast: .63)
2: 192.168.1.64 - 192.168.1.127 (Broadcast: .127)
3: 192.168.1.128 - 192.168.1.191 (Broadcast: .191)
4: 192.168.1.192 - 192.168.1.255 (Broadcast: .255)
Sie haben das Netz 10.0.0.0/8 und folgende Anforderungen:
- Subnetz A: 1000 Hosts
- Subnetz B: 500 Hosts
- Subnetz C: 250 Hosts
- Subnetz D: 120 Hosts
Planen Sie die Subnetze (von groß nach klein).
| Hosts | benötigte Bits | CIDR | Subnetz | Adressbereich |
|---|---|---|---|---|
| 1000 | 10 (2¹⁰=1024) | /22 | 10.0.0.0/22 | 10.0.0.0 - 10.0.3.255 |
| 500 | 9 (2⁹=512) | /23 | 10.0.4.0/23 | 10.0.4.0 - 10.0.5.255 |
| 250 | 8 (2⁸=256) | /24 | 10.0.6.0/24 | 10.0.6.0 - 10.0.6.255 |
| 120 | 7 (2⁷=128) | /25 | 10.0.7.0/25 | 10.0.7.0 - 10.0.7.127 |
5. Routing (Level 2)
Router verbinden verschiedene Netzwerke. Hier lernen Sie, Routing-Tabellen zu verstehen und zu konfigurieren.
Sie haben zwei Linux-Rechner als Router konfiguriert. Die Topologie:
PC1 (192.168.1.10/24) --- Router1 (192.168.1.1)
(192.168.2.1) --- Router2 (192.168.2.2)
(10.0.0.1/24) --- PC2 (10.0.0.10/24)
- Aktivieren Sie IP-Forwarding auf beiden Routern:
echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_forward(permanent in /etc/sysctl.conf). - Konfigurieren Sie statische Routen auf Router1, um das Netz 10.0.0.0/24 zu erreichen.
- Konfigurieren Sie statische Routen auf Router2, um das Netz 192.168.1.0/24 zu erreichen.
- Konfigurieren Sie Default-Gateways auf den Endgeräten.
- Testen Sie die Verbindung mit ping.
ip route add 10.0.0.0/24 via 192.168.2.2
# Router2: Route zu 192.168.1.0/24 hinzufügen
ip route add 192.168.1.0/24 via 192.168.2.1
# PC1: Default-Gateway auf Router1 setzen
ip route add default via 192.168.1.1
# PC2: Default-Gateway auf Router2 setzen
ip route add default via 10.0.0.1
# IP-Forwarding dauerhaft aktivieren
echo "net.ipv4.ip_forward=1" >> /etc/sysctl.conf
sysctl -p
Gegeben ist folgende Routing-Tabelle:
0.0.0.0 192.168.1.1 0.0.0.0 UG 100 eth0
192.168.1.0 0.0.0.0 255.255.255.0 U 0 eth0
10.0.0.0 192.168.1.254 255.255.255.0 UG 20 eth0
172.16.0.0 10.0.0.2 255.255.0.0 UG 30 eth1
- Welches ist die Default-Route?
- Über welches Interface wird 172.16.1.1 erreicht?
- Welcher Next Hop wird für 10.0.0.42 verwendet?
- Ist 192.168.1.0/24 direkt verbunden?
0.0.0.0/0 via 192.168.1.1
# 2. Interface für 172.16.1.1
eth1 (Next Hop 10.0.0.2)
# 3. Next Hop für 10.0.0.42
192.168.1.254 (da 10.0.0.0/24 über diesen Router)
# 4. Direkt verbunden?
Ja (Flags U, kein Gateway)
6. VLANs (Level 2)
Virtuelle LANs trennen Netzwerke logisch, auch wenn sie denselben Switch nutzen.
Konfigurieren Sie einen Switch mit 2 VLANs:
- VLAN 10: IT-Abteilung, Ports 1-5
- VLAN 20: Personalabteilung, Ports 6-10
Zusätzlich: Ein Trunk-Port verbindet den Switch mit einem Router für Inter-VLAN-Routing.
configure terminal
vlan 10
name IT
exit
vlan 20
name Personal
exit
# Access Ports konfigurieren
interface range fastEthernet 0/1-5
switchport mode access
switchport access vlan 10
exit
interface range fastEthernet 0/6-10
switchport mode access
switchport access vlan 20
exit
# Trunk-Port konfigurieren (z.B. Port 24 zum Router)
interface fastEthernet 0/24
switchport mode trunk
switchport trunk allowed vlan 10,20
7. Firewall (Level 3)
Firewalls schützen Netzwerke vor unerlaubten Zugriffen. Hier üben Sie mit iptables/nftables unter Linux.
- Zeigen Sie die aktuellen iptables-Regeln an:
sudo iptables -L -n -v. - Setzen Sie die Default-Policy für INPUT auf DROP:
sudo iptables -P INPUT DROP. - Erlauben Sie SSH (Port 22):
sudo iptables -A INPUT -p tcp --dport 22 -j ACCEPT. - Erlauben Sie HTTP (Port 80):
sudo iptables -A INPUT -p tcp --dport 80 -j ACCEPT. - Erlauben Sie bestehende Verbindungen:
sudo iptables -A INPUT -m state --state ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT.
sudo iptables -L -n -v
# Default-Policy setzen
sudo iptables -P INPUT DROP
# SSH erlauben
sudo iptables -A INPUT -p tcp --dport 22 -j ACCEPT
# HTTP erlauben
sudo iptables -A INPUT -p tcp --dport 80 -j ACCEPT
# Bestehende Verbindungen erlauben
sudo iptables -A INPUT -m state --state ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT
Richten Sie Port Forwarding ein, so dass Anfragen von außen auf Port 8080 an einen internen Webserver (192.168.1.10:80) weitergeleitet werden.
echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_forward
# NAT-Regel für Port Forwarding
sudo iptables -t nat -A PREROUTING -p tcp --dport 8080 -j DNAT --to-destination 192.168.1.10:80
# Forwarding erlauben
sudo iptables -A FORWARD -p tcp -d 192.168.1.10 --dport 80 -j ACCEPT
sudo iptables -A FORWARD -p tcp -s 192.168.1.10 --sport 80 -j ACCEPT
8. Wireshark – Netzwerkanalyse (Level 3)
Wireshark ist der Standard für Netzwerkanalyse. Hier lernen Sie, Pakete zu erfassen und zu analysieren.
- Installieren Sie Wireshark (falls nicht vorhanden).
- Starten Sie Wireshark und wählen Sie Ihre aktive Netzwerkschnittstelle aus.
- Starten Sie einen Ping auf google.de:
ping google.de. - Stoppen Sie die Aufnahme nach einigen Paketen.
- Finden Sie die ICMP-Pakete (Ping-Request und Reply).
icmp
# Wireshark-Filter für bestimmte IP
ip.addr == 8.8.8.8
# Wireshark-Filter für HTTP
http
- Starten Sie Wireshark und filtern Sie nach HTTP.
- Rufen Sie eine einfache HTTP-Website auf (z.B. http://example.com).
- Analysieren Sie den HTTP-Request und -Response.
- Finden Sie den User-Agent-Header in Ihrem Request.
http
# Im HTTP-Request sehen Sie:
GET / HTTP/1.1
Host: example.com
User-Agent: Mozilla/5.0 ...
Accept: text/html, ...
9. Troubleshooting – Fehlersuche im Netzwerk
Typische Netzwerkprobleme erkennen und lösen.
Problem: Keine Internetverbindung
Szenario: PC hat keine Verbindung ins Internet.
Lösungsansätze:
- IP-Konfiguration prüfen:
ipconfig /all(Windows) oderip addr show(Linux) - Gateway anpingen:
ping [Gateway-IP] - DNS testen:
nslookup google.de - Externe IP anpingen:
ping 8.8.8.8
Problem: Hohe Latenz/Paketverlust
Szenario: Verbindung ist langsam, hohe Ping-Zeiten.
Lösungsansätze:
- Traceroute ausführen:
tracert google.de(Windows) odertraceroute google.de(Linux) - Netzwerkauslastung prüfen (Task-Manager, iftop, nload)
- Wireshark-Analyse auf Retransmissions
Problem: Port nicht erreichbar
Szenario: Ein Dienst (Webserver, SSH) ist von außen nicht erreichbar.
Lösungsansätze:
- Lokaler Test:
telnet localhost 80odercurl http://localhost - Firewall-Regeln prüfen:
sudo iptables -L -noder Windows-Firewall - Port-Scan mit nmap:
nmap -p 80 localhost
10. Netzwerk-Admin Checkliste
Eine Checkliste für die Grundkonfiguration und den Betrieb eines Netzwerks.
- IP-Adressplan mit Reserven für Wachstum erstellt
- Statische IPs für Server und Drucker vergeben
- DHCP-Server mit korrekten Optionen (DNS, Gateway) konfiguriert
- DNS-Server eingetragen und funktionsfähig
- Firewall-Grundregeln (Deny all, allow by exception) implementiert
- Router mit statischen Routen oder dynamischem Routing konfiguriert
- VLANs für verschiedene Abteilungen/Geräteklassen eingerichtet
- SNMP für Netzwerk-Monitoring konfiguriert
- NTP-Server für Zeitsynchronisation eingerichtet
- Backup der Netzwerk-Konfigurationen (Router, Switches)
- Dokumentation aller IP-Adressen, VLANs und Netzwerk-Komponenten
- Monitoring (z.B. Nagios, Icinga) für kritische Geräte eingerichtet
Weiterführende Themen
Theoretische Grundlagen zu Netzwerken (OSI, TCP/IP).
Zu den GrundlagenIPv4, IPv6, Subnetzmasken – alles im Detail.
Zu IP-AdressierungDynamisches Routing (OSPF, BGP) und Switching.
Zu RoutingSicherheitsübungen mit Firewalls und IDS.
Zu Security Lab