Secure Boot

UEFI-Sicherheitsstandard gegen Bootkits und Rootkits

Secure Boot

Secure Boot ist ein Sicherheitsstandard der UEFI-Spezifikation, der sicherstellt, dass während des Systemstarts nur signierte und vertrauenswürdige Software ausgeführt wird. Es verhindert Bootkits und Rootkits, die sich vor dem Betriebssystem laden.

PK KEK db dbx Windows 11

1. Was ist Secure Boot?

Definition

Secure Boot ist ein Teil der UEFI-Spezifikation (Unified Extensible Firmware Interface). Es stellt sicher, dass der Computer nur mit Software bootet, die vom Hersteller vertraut wird.

Wird ein nicht autorisierter Bootloader oder Treiber erkannt, wird der Bootvorgang abgebrochen. Das verhindert, dass sich Schadsoftware vor dem Betriebssystem einnistet.

Schutz vor

  • Bootkits: Schadsoftware, die den Bootvorgang manipuliert
  • Rootkits: Versteckte Schadsoftware im System
  • Bootloader-Angriffe: Austausch des Bootloaders
  • Pre-Boot-Malware: Code, der vor dem OS startet

Geschichte

  • 2011: Einführung mit UEFI 2.3.1
  • 2012: Windows 8 verlangt Secure Boot für Zertifizierung
  • 2021: Windows 11 macht Secure Boot zur Pflicht

2. Wie funktioniert Secure Boot?

Secure Boot verwendet digitale Signaturen und eine Kette von Vertrauensstellungen (Trust Chain), um die Integrität des Bootvorgangs zu gewährleisten.

Hardware
UEFI BIOS
Bootloader
Betriebssystem
Signaturprüfung
Signaturprüfung
Signaturprüfung

Ablauf beim Booten

1
Einschalten – Die Hardware wird initialisiert
2
UEFI startet – Secure Boot prüft die eigene Integrität
3
Bootloader wird geladen – UEFI prüft die Signatur des Bootloaders gegen die Datenbank (db)
4
Bootloader prüft OS-Kernel – Der Bootloader prüft die Signatur des Betriebssystem-Kernels
5
Betriebssystem startet – Nur wenn alle Signaturen gültig sind

3. Die Schlüsseldatenbank von Secure Boot

Secure Boot verwendet vier verschiedene Schlüsseldatenbanken, die im UEFI-Flash gespeichert sind.

Datenbank Abkürzung Bedeutung Inhalt
Platform Key PK Der Besitzer des Systems (OEM oder Benutzer) Öffentlicher Schlüssel des Systembesitzers
Key Exchange Key KEK Vertrauenswürdige Stellen für Signaturen Öffentliche Schlüssel von Microsoft u.a.
Signature Database db Vertrauenswürdige Bootloader und Treiber Zertifikate und Hashes von erlaubter Software
Forbidden Signatures dbx Gesperrte Bootloader (z.B. bei Sicherheitslücken) Zertifikate und Hashes von verbotener Software

Wichtig zu verstehen

Die Schlüssel sind hierarchisch aufgebaut:

  • PK signiert Änderungen an KEK
  • KEK signiert Änderungen an db und dbx
  • db enthält die erlaubten Signaturen
  • dbx enthält die gesperrten Signaturen (Blacklist)

4. Trust Chain – Die Vertrauenskette

Secure Boot baut auf einer Kette von Vertrauensstellungen auf, die von der Hardware bis zum Betriebssystem reicht.

Hardware
Die Hardware ist die Basis – sie ist fest verdrahtet und kann nicht manipuliert werden.
UEFI Firmware
Enthält die Secure-Boot-Schlüssel (PK, KEK, db, dbx) ab Werk.
Bootloader
Windows Boot Manager, GRUB2, shim – müssen von Microsoft oder OEM signiert sein.
OS Kernel
Der Kernel wird vom Bootloader geprüft, bevor er geladen wird.
Systemdienste
Einige OS (wie Windows) prüfen weiterhin Treiber und Dienste.

5. UEFI mit Secure Boot vs. klassisches BIOS

Merkmal Klassisches BIOS UEFI mit Secure Boot
Schutz vor Bootkits❌ Kein Schutz✅ Signaturprüfung
BootlaufwerkMBR (≤2TB)GPT (>2TB)
StartgeschwindigkeitLangsamerSchneller (Fast Boot)
Treiber16-Bit-Modus32/64-Bit-Modus, Netzwerkfähig
BedienungTextbasiert (Pfeiltasten)Grafisch (Maus möglich)
Secure Boot❌ Nicht vorhanden✅ Aktivierbar

6. Windows 11 und Secure Boot

Microsoft hat Secure Boot zur Pflicht für Windows 11 gemacht – zusammen mit TPM 2.0.

Voraussetzungen

  • UEFI-Firmware (kein Legacy BIOS)
  • Secure Boot aktiviert
  • TPM 2.0 (Trusted Platform Module)
  • 64-Bit-Prozessor
  • 4 GB RAM, 64 GB Speicher

Prüfen unter Windows

Systeminformationen:

msinfo32.exe

Punkt "Sicherer Start" = "Ein"

PowerShell:

Confirm-SecureBootUEFI

Aktivieren

  1. Ins BIOS/UEFI booten (F2, F10, Entf)
  2. Boot-Menü suchen
  3. "Secure Boot" auf "Enabled" stellen
  4. CSM/Legacy Boot deaktivieren
  5. Speichern und neu starten

7. Secure Boot verwalten und konfigurieren

In modernen UEFI-BIOS können Sie Secure Boot detailliert verwalten – oft ist das aber nur im "Advanced Mode" möglich.

Eigene Schlüssel einspielen

Für eigene Betriebssysteme (Linux mit eigenem Bootloader) müssen Sie oft eigene Schlüssel einspielen:

  1. Im UEFI "Secure Boot" auf "Custom" stellen
  2. Platform Key (PK) löschen oder ersetzen
  3. Eigene Schlüssel (KEK, db) einspielen
  4. Neuen PK setzen

Vorsicht: Fehler können das System unbootbar machen!

Linux und Secure Boot

Die meisten Linux-Distributionen nutzen einen signierten "shim"-Bootloader, der von Microsoft signiert wurde. Er prüft dann den GRUB2-Bootloader.

Ubuntu / Fedora: Funktioniert out-of-the-box

Eigener Kernel: Muss selbst signiert werden

Secure Boot deaktivieren

Manchmal nötig für ältere Hardware oder bestimmte Treiber:

  1. Ins UEFI booten
  2. Secure Boot auf "Disabled" stellen
  3. Speichern und neu starten

Hinweis: Windows 11 verlangt Secure Boot – Deaktivieren kann die Windows-Installation verhindern.

8. Häufige Probleme und Lösungen

"Secure Boot Violation"

Symptom: Der Computer zeigt eine Fehlermeldung "Secure Boot Violation" und bootet nicht.

Ursache: Ein nicht signierter Bootloader oder Treiber wurde gefunden.

Lösungen:

  • Secure Boot im UEFI deaktivieren (temporär)
  • Betriebssystem neu installieren, das Secure Boot unterstützt
  • Bootloader signieren (für Experten)

"Windows kann nicht installiert werden"

Symptom: Windows 11 Installation bricht ab mit "Dieser PC kann Windows 11 nicht ausführen".

Ursache: Secure Boot ist deaktiviert oder nicht verfügbar.

Lösungen:

  • Im UEFI Secure Boot aktivieren
  • CSM/Legacy-Boot deaktivieren
  • TPM 2.0 aktivieren

Secure Boot im UEFI finden

Die Bezeichnung variiert je nach Hersteller:

  • ASUS: "Boot" → "Secure Boot"
  • Gigabyte: "BIOS Features" → "Secure Boot"
  • MSI: "Settings" → "Security" → "Secure Boot"
  • Lenovo: "Security" → "Secure Boot"
  • Dell: "Secure Boot" → "Secure Boot Enable"

Praxisaufgabe: Secure Boot überprüfen

Führen Sie folgende Schritte auf Ihrem Windows-Computer durch (wenn möglich):

  1. Öffnen Sie "Systeminformationen" (msinfo32.exe)
  2. Suchen Sie den Eintrag "Sicherer Start" – ist er "Ein"?
  3. Öffnen Sie PowerShell als Administrator und geben Sie ein: Confirm-SecureBootUEFI
  4. Was zeigt der Befehl an? (True/False)
  5. Starten Sie neu und drücken Sie die entsprechende Taste (F2, F10, Entf), um ins UEFI zu gelangen. Finden Sie die Secure-Boot-Einstellungen.

Weiterführende Themen

TPM 2.0

Der Sicherheitschip auf dem Mainboard – eng verwandt mit Secure Boot.

Zu TPM 2.0
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Der Nachfolger des klassischen BIOS – Grundlage für Secure Boot.

Zu UEFI
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Verschlüsselte Verbindungen im Internet.

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